Evangelische Kirchengemeinde Bauschheim

Wir freuen uns über alle, die Gottesdienst mit uns feiern wollen!
Anmeldungen sind nicht nötig!
Das Tragen von Masken im Gottesdienst ist nicht mehr verpflichtend.
Selbstverständlich können alle, die eine Maske tragen wollen dies tun.
 

 

Vom 8. Januar bis 26. Februar
Winterkirche im Ev. Gemeindehaus

 

Gottesdienste im Januar

Sonntag, 8. Januar - 9.30 Uhr
Gottesdienst 
(Prädikantin Kögler)

 

Sonntag, 15. Januar - 9.30 Uhr
Gottesdienst
(Pfrn. Schneider-Oelkers)

 

Sonntag, 22. Januar - 9.30 Uhr
Gottesdienst
(Pfrn. Schneider-Oelkers)

 

Sonntag, 29. Januar - 17.00 Uhr
Mainspitzweiter Gottesdienst
Ev. Kirche Ginsheim
(Pfrn. Christensen)

 

 

Gottesdienste im Februar

Sonntag, 5. Februar - 9.30 Uhr
Gottesdienst mit Abendmahl
(Pfrn. Schneider-Oelkers)


Sonntag, 12. Februar - 9.30 Uhr
Gottesdienst
(Vikarin Haas)


Sonntag, 19. Februar - 9.30 Uhr
Gottesdienst
(Pfrn. Schneider-Oelkers) 


Sonntag, 26. Februar - 17.00 Uhr
Mainspitzweiter Gottesdienst
Ev. Kirche Gustavsburg
(Pfr. Bahnsen)

 


 

 

Predigt am Altjahrsabend (31.12.2022)

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott,
der da ist, der da war und der da sein wird.

Predigttext: Röm 8, 26 ff.

Gott segne Reden und Hören!

Liebe Gemeinde,

ein seltsames Jahr geht zu Ende, das dritte in Folge schon.
Ein Jahr, das jede*n von uns an Grenzen geführt hat:
An die Grenze der Geduld.
An die Grenze der Kraft.
An die Grenze des Wollens und Könnens.
Auch an die Grenze des Glaubens ...

Glaube ist ja nichts Statisches, nichts Feststehendes, nichts Unveränderliches: Glaube ich einmal, dann glaube ich immer…
So ist Glaube nicht!
Glaube ist etwas, das sich sehr wohl verändern kann und das auch tut.

Glaube kann größer oder kleiner werden, tiefer oder flacher, stärker oder schwächer.
Und das geschieht meistens nicht, wenn das Leben einfach so ruhig vor sich hin plätschert, sondern viel eher in Situationen, die fordern, manchmal auch überfordern.
Glaube verändert sich in Zeiten der Krise… und Krise, das ist seit drei Jahren ja unser Dauer-Zustand geworden:
Wenn jemand schwer erkrankt, dann gerät er in eine Krise …
Wenn ein Mensch sein geliebtes Gegenüber verliert – an den Tod oder auch durch Trennung und Scheidung – dann löst das eine Krise aus…

Wenn jemand im Home-Office festsitzt oder sogar seinen Arbeitsplatz verliert, wenn sein gewohnter Tagesablauf nicht mehr trägt, dann schlittert er in eine Krise…
Und dass die russische Regierung einen Krieg vom Zaun gebrochen hat, der nicht nur das Leben von unzähligen Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern in der Ukraine verletzt und zerstört, sondern Menschen in ganz Europa in Angst und Sorge versetzt, das hat eine Krise ausgelöst, die die Allermeisten kalt erwischt hat…

Und es gibt noch viel mehr Beispiele…

Wenn ein Mensch in eine Krise gerät, dann werden auf einmal Fragen wach:
Was trägt mich?
Was hält mich?
Was glaube ich?
Und: Was macht es mit mir, wenn mein Leben auf einmal ganz anders läuft, als ich mir das so vorstelle oder erhoffe oder er-bete?
Hält mein Glaube dann stand?
Oder gerate ich ins Zweifeln?
Und überhaupt: Was bedeutet das eigentlich – glauben?
Heißt glauben:
Unsicher vermuten?
Oder fest vertrauen?

Und was ist das Gegenteil von Glauben?
Wissen?
Unglaube?
Aberglaube?
Misstrauen?
Zweifel?
Gleichgültigkeit?

Schließen sich Zweifel und Glaube gegenseitig aus?
Oder ist das Gegenteil richtig: Glaube und Zweifel gehören zusammen wie zwei Seiten einer Medaille?

Ist Glaube ein Willensakt, eine Entscheidung - oder ein Geschenk, über das wir gar nicht verfügen können?

Wer sagt eigentlich, was ein schwacher und was ein starker Glaube ist?
Was richtiger und was falscher Glaube?

Die Sprachwissenschaft hilft, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen:

Das deutsche Wort „Glaube“, mittelhochdeutsch „geloube“ stammt von der indogermanischen Wurzel „lub“ ab, und die hat die Bedeutung: Begehren, lieb haben, für lieb erklären, gutheißen oder loben.

Glaube hat also nichts mit objektivem Wissen zu tun sondern mit einer subjektiven Beziehung.

Im auf Griechisch verfassten NT steht pistis / pisteuein – das bedeutet wörtlich: Treue, Vertrauen bzw. treu sein, vertrauen, sich verlassen auf, sich binden an.

Also auch hier nix mit „für wahr halten“ sondern: Sich an etwas binden.
Genauso ist das auch im AT; da steht Aman und auch das bedeutet: Sich an etwas festmachen.

In lateinischen Bibeln steht für glauben das Verb credere, das heißt wörtlich übersetzt: Sein Herz auf etwas setzen.

Glaube hat nichts mit objektivem Wissen zu tun sondern mit einer subjektiven Beziehung – und deshalb ist Glaube immer ein Wagnis.
Niemand „hat“ Glauben ein für alle Mal.
Genauso wie man kein Vertrauen „hat“, sondern sich immer wieder neu entscheiden muss, Vertrauen zu schenken.
Aus dem Grund gehört der Zweifel auch immer wieder zum Glauben dazu.

Jetzt mag die eine oder der andere denken: „Ach Schade!“ oder „Das ist ja blöd!“
Wir Menschen hätten es gerne einfacher.
Ja – Nein.
Schwarz – Weiß.
Eindeutig gut – eindeutig schlecht.
Eindeutig richtig – eindeutig falsch.
Aber diese Eindeutigkeit gibt es im wahren Leben nicht – darauf weist Jesus seine Jünger schon hin.
Schwarz und Weiß sind im wirklichen Leben manchmal so miteinander verwoben, dass sie für unsere Augen gar nicht zu unterscheiden sind – wir sehen dann eben nur Grau.
Und ob eine Entscheidung, die in einer ganz bestimmten Situation unter ganz bestimmten Bedingungen getroffen wurde, ob die sich sich im Nachhinein als richtig erweist – das zu beurteilen ist ein mühsames Geschäft.
Wer behauptet, er oder sie hätte alles ja schon im Vorhinein gewusst und kenne die Lösung für alle Probleme schon im Voraus, der unterschätzt die Komplexität des Lebens – und er überschätzt sich selbst.
Gerade das macht solche Leute gefährlich:…

Das wirkliche Leben ist verworren – das war vor der Corona-Krise schon so, das ist es jetzt, und das wird es auch dann noch sein, wenn wir die aktuellen Krisen hoffentlich bald überwunden haben werden.
Das wirkliche Leben ist verworren – und da Entscheidungen zu treffen, ist nicht einfach; es braucht Zeit; und manchmal geht’s nur nach der Methode „trial and error“, Versuch und Irrtum.
Das ist vielleicht schade und sogar blöd, aber es ist nicht zu ändern.

Was hilft uns da der Glaube, liebe Gemeinde?

Der Apostel Paulus, der kann uns da weiterhelfen!

Aus dem zeitlichen Abstand von 2000 Jahren betrachtet sieht er vielleicht aus wie ein Glaubensheld – einer, der so fest mit Jesus verbunden ist, dass er sogar bereit ist, für seinen Glauben an ihn zu sterben.
Aber der Apostel Paulus selbst sah sich ganz anders:
Ängstlich manchmal, verzagt und zweifelnd…
Schaffe ich das? Kann ich das überhaupt schaffen? Und was, wenn nicht?
Auch er hat mit solchen Fragen gekämpft, hat mit seinen Zweifeln gerungen und gefürchtet, sein Glaube sei nicht stark genug für all‘ das, was sich ihm entgegenstellte…
Der Apostel Paulus hat nicht auf die Kraft seines eigenen Glaubens vertraut.
Aber er hat auf den vertraut, an den er glaubte: Auf Jesus, den Christus!
Auf den, dem die Angst den Schweiß auf die Stirn getrieben hatte und der deshalb weiß, wie sich das anfühlt…
Auf den, der selbst Schwäche erlebt hatte und der keinen zurückstößt, der sich so fühlt…
Auf den, der selbst in die tiefe Dunkelheit hinabgestiegen ist und der keinen allein lässt, der sich darin wiederfindet…

Auf Jesus, den Christus, hat der Apostel Paulus vertraut; an ihm hat er sich festgehalten.

Und deshalb – und nur deshalb – hat er die Kraft, an die verfolgte Gemeinde von Rom zu scheiben:

Gottes Geist hilft unserer Schwachheit auf…
Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?
Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?...
Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtige noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch ein anderes Geschöpf uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
(Römerbrief, Kapitel 8, Verse 26a.31f.38f.)
Liebe Gemeinde,
ein seltsames Jahr geht zu Ende – eins, das uns alle an Grenzen geführt hat:
An die Grenze der Geduld.
An die Grenze der Kraft.
An die Grenze des Wollens und Könnens.
An die Grenze des Glaubens…

Auch da aber, gerade da aber, liebe Gemeinde, wartet der, an dem wir uns festhalten können, weil er uns nicht im Stich lässt: Jesus, der Gottessohn und Menschenbruder.
An seiner Hand dürfen wir getrost ins neue Jahr gehen - auch wenn noch kein Mensch wissen kann, was uns erwartet!
Und der Friede Gottes…

 

(Pfarrerin Ellen Schendier-Oelkers)

 

Lied: Meine Zeit steht (EG+111,3+2+1)



 

 

 

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